Team bei der Teamentwicklung

Die Phasen der Teamentwicklung und wofür sie wichtig sind

Teamentwicklung ist ein dynamischer Prozess, in dem das Team als System flexibel zusammengestellt wird, meist über einen gewissen Zeitraum zusammenarbeitet und manchmal auch wieder aufgelöst oder neu strukturiert werden kann. In einer sich verändernden Gruppendynamik ist häufig eines der Themen, dass die Teamregeln (neu) gesetzt, angepasst oder gar ganz verändert werden dürfen. 

Der Fokus liegt bei einer Teamentwicklung auf dem Team als geschlossenes System und den verschiedenen Phasen, die es durchläuft. Teams – ob physisch, virtuell oder hybrid – stehen täglich vor Herausforderungen, die gleichzeitig erweiterte Möglichkeiten darstellen können.

Wenn ein Team an seine Grenzen kommt, Konflikte in den unterschiedlichen Phasen nicht stimmig behoben oder Ziele nicht passend gesetzt und erreicht werden können, ist eine Teamentwicklungmaßnahme geeignet, diese Herausforderungen anzugehen. Denn ein Team, das sich als geschlossenes System wahrnimmt und versteht, wird sich ganz andere Ziele setzen und erreichen als ein Team, das sich als Gruppe von einzeln zusammengestellten Mitgliedern sieht.

Um dem Team zu ermöglichen, als Einheit mit all ihren Variablen zu agieren und dadurch der Unternehmensvision näherzukommen, wird ggfs. ein/e Team Coach oder ein/e TeamentwicklerIn engagiert, der/die das Team durch die einzelnen Phasen begleitet.

Wenn wir von „Phasen“ sprechen, beziehen wir uns damit auf Bruce Tuckmans Phasenmodell, welches nachfolgend näher erläutert wird. Dieses wurde entwickelt, um Teams beim Teambuilding zu helfen und ihnen die Orientierung als System zu erleichtern.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was gehört zu Teamentwicklung? 
  2. Welche Teamentwicklungsmaßnahmen gibt es? 
  3. Was sind die Phasen einer Teamentwicklung? 
  4. Die häufigsten Anlässe für Teamentwicklung
  5. Wofür ist Teamentwicklung wichtig? 

 

Was gehört zu Teamentwicklung?

Zur Teamentwicklung gehört, dass Teamprozesse strukturiert werden, Aufgaben und Ziele abgestimmt und geklärt und einzelne Mitglieder in ihren verschiedenen Rollen zu einem Team zusammengeführt werden.

Dafür ist es normalerweise wichtig, die Stärken und Themen der einzelnen Mitglieder eines Teams zu erkennen und zu nutzen. Rollen und damit einhergehende Verantwortungsbereiche und Aufgaben dürfen auch geklärt, analysiert und gefestigt werden. Gleichzeitig geht es einer einer Teamentwicklung häufig um die Form der (wertschätzenden) Kommunikation und wie das Team sich Feedback geben möchte. Wenn die Wahrnehmung dafür und das Verständnis vorhanden sind, lassen sich Abläufe und Prozesse stimmiger verbessern, es entsteht eine positive Fehlerkultur und das Team kann kooperativer zusammenarbeiten. 

Denn es ist ausschlaggebend, wie die Beziehungen zwischen den einzelnen Teammitgliedern sind. Eine gute Beziehung zwischen allen Beteiligten verbessert die (Erfolgs)Möglichkeiten des Teams und die individuellen Kompetenzen können passender eingesetzt und gefördert werden. Das bedingt eine harmonische Arbeitsatmosphäre, wodurch in einem kürzeren Zeitraum mehr erreicht werden kann.

 

Welche Teamentwicklungsmaßnahmen gibt es?

Es gibt viele verschiedene Maßnahmen, um Teamentwicklung erfolgreich zu gestalten. Um die Zusammenarbeit und Wirksamkeit optimal zu steuern, können unter anderem folgende Methoden angewendet werden:

  • Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg
  • Tuckman-Phasenmodell: Forming, Storming, Norming, Performing
  • Persönlichkeitstypologien, wie z.B. DISG oder Meyer-Briggs (MBTI), u.v.m.
  • IKIGAI für Team-Purpose
  • Fishbowl, wobei sich das Team wertschätzend kennenlernt und positives Feedback gibt und verschiedene Perspektiven eingenommen werden
  • Liberating Structures für die Unterstützung bei der Entscheidungsfindung
  • Theorie U nach Otto Scharmer
  • Visionspyramide für Werte, Mission und Vision

Diese Methoden und weitere verschiedene Formate sind wirksam und unterstützen in Teamentwicklungen. In diesem Artikel wollen wir uns vor allem dem Phasenmodell nach Tuckman widmen.

 

Was sind die Phasen einer Teamentwicklung?

Bruce Wayne Tuckman (1938-2016) war ein US-amerikanischer Psychologe, Organisationsberater und Hochschullehrer an der Ohio State University, wo er zuletzt das sogenannte Akademische Lernlabor leitete. Das nach ihm benannte Phasenmodell für Teams entwickelte er 1965. Es wird heute noch als Basis für die Zusammenarbeit und Entwicklungsdynamik von Teams verwendet.

Tuckman hat in seiner Arbeit als Teamentwickler vier Phasen definiert, in denen sich Teams befinden können. Erb hat diese ursprünglich definierten vier Phasen zu einem späteren Zeitpunkt um eine fünfte Phase erweitert. Dieses Modell bietet TeamentwicklerInnen eine Unterstützung dabei, Teams einzuordnen und angepasst an die jeweilige Phase die Teamentwicklung zu gestalten. Es kann zu einer Leichtigkeit im Umgang mit Teams führen, wenn ein Bewusstsein über die Phasen vorhanden ist.

Teamentwicklung Phasen

  1. Phase – Forming
  2. Phase – Storming
  3. Phase – Norming
  4. Phase – Performing
  5. Phase – Auflösungsphase

Wie lange eine Phase jeweils dauert und wie intensiv sie ist, hängt von dem jeweiligen Team ab und kann somit ganz unterschiedlich sein. In jeder dieser Phasen hat ein Team verschiedene Bedürfnisse und Herausforderungen, an denen jeweils entsprechende Teamentwicklungen ansetzen können:

In der 1. Phase befindet sich ein Team in der Findungsphase, wo eine erste Kontaktaufnahme der Teammitglieder erfolgt. Sie ist meist mit der Rollenerklärung und -verteilung verbunden. Da die Teammitglieder anhand ihrer Kompetenzen, Qualifikationen und Erfahrungen zusammengestellt werden, werden in der Orientierungsphase neben den Rollen auch die Aufgaben definiert. Um sich in dieser Phase zu entwickeln, sind Empathie und Verständnis füreinander sowie Neugier aufeinander wertvoll. So kann eine vertrauensvolle Basis geschaffen werden.

Typische Fragen, die sich die Teammitglieder in dieser Phase stellen können, sind:

  • Was sind meine Kompetenzen?
  • Wie werde ich wahrgenommen?
  • Wie nehme ich die anderen Mitglieder wahr?
  • Welche Position habe ich in diesem Team und welche will ich haben?

Die 2. Phase ist gekennzeichnet durch Ambivalenz, d. h. das Team realisiert die Aufgaben und hinterfragt diese. Im Prozess können sich Grüppchen bilden, Positionen werden neu erörtert und erste Konflikte können sich aus dem Veränderungsprozess der Mitglieder ergeben. In dieser Phase ist es wichtig, dass alles zugelassen und wertgeschätzt wird. Hier wird sich herausstellen, wie das Team zusammenarbeitet und wie offen und konstruktiv es kommuniziert. Folgende Fragen können hilfreich sein, gestellt und beantwortet werden:

  • Welche Teammitglieder bilden eine Schlüsselposition?
  • In welcher Beziehung stehe ich zu der Schlüsselperson/-position?
  • Auf welche Art und Weise werden Aufgaben verteilt und durchgeführt?
  • Was ist die Konsequenz bei Nichteinhaltung einer Teamregel?

Die 3. Phase wird als Organisationsphase bezeichnet, da hier die erneute Rollenklärung erfolgt. Die Teammitglieder tauschen sich aus, beteiligen sich aktiv und die Identifikation mit dem Team und seinen Aufgaben wird geprägt. Noch bestehende Konflikte werden spätestens hier zusammen als Team gelöst und die Kommunikation miteinander verfeinert. Der Fokus liegt in dieser Phase darauf, dass Team so zusammenzuführen, dass es stimmig miteinander arbeiten kann. Konflikte werden flexibel und effektiv gemeinsam gelöst, Rollen anerkannt und die Teamregeln nachhaltig aufgestellt und eingehalten.

In der 4. Phase ist ein Team in der Leistungsphase angekommen. Das Wir-Gefühl steht im Mittelpunkt und die Zusammenarbeit ist gekennzeichnet durch Vertrauen und Kooperation. Für eine Teamentwicklung in dieser Phase ist es wichtig, dass Ziele ganz genau definiert werden, da das Team bereits über eine sehr hohe Kompetenz verfügt. Das Team kann sich konstruktiv und effizient selbst organisieren, Themen offen und wertschätzend ansprechen und lösen, sowie jedes Mitglied die eigenen Aufgaben klar, kooperativ und zielorientiert ausführen. 

Adjourning auch Auflösungsphase genannt, ist die 5. Phase, die den Abschied, also die Auflösung des Teams beschreibt. Um diese Phase hat Tuckman mit Mary Ann C. Jensen sein Modell nachträglich erweitert. Sie gilt dann, wenn Teams zusammengestellt werden, um lediglich über einen bestimmten Zeitraum zusammenzuarbeiten. Oder wenn eine Neuformierung für das Team der nächste funktionierende Schritt wäre, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Zum Abschluss der Zusammenarbeit wird üblicherweise eine Evaluierung gemacht und der Auflösungsprozess wird vom Teamleiter/von der Teamleiterin aktiv gestaltet. Dies beinhaltet unter anderem Anerkennung und Wertschätzung für erreichte Ziele oder Zwischenziele sowie konstruktive Feedbackrunden für jeden Einzelnen.

 

Die häufigsten Anlässe für Teamentwicklung

Es gibt ganz unterschiedliche Anlässe, weswegen eine Teamentwicklungsmaßnahme sinnvoll sein kann, z. B. wenn 

  • die Strukturen im Team nicht (mehr) stimmig sind 
  • Konflikte im Team entstehen oder bereits länger vorhanden sind 
  • ein Team neu zusammengestellt wird: Mitarbeiter kommen oder gehen
  • Rollen, Verantwortungsbereiche und Aufgaben verändert werden
  • eine Feedback- und Kommunikationskultur etabliert werden darf
  • die Unternehmenskultur bzw. das Führungsverständnis Klärung bedarf 

Der/die Team Coach bzw. die/der TeamentwicklerIn begleitet das Team, so dass jedes einzelne Teammitglied seine individuell verfügbaren Ressourcen in jeder der 5 Phasen erkennen kann, die Potentiale nutzbar macht und sich das Team so als Ganzes nachhaltig neue Möglichkeiten erschafft. Team Coaches unterstützen die Teams darin, die verfügbaren Ressourcen und die vorhandenen Potentiale zu erkennen und zu nutzen. 

 

Wofür ist Teamentwicklung wichtig?

Teamentwicklung ist wichtig, weil sie dem Team ermöglicht, in jeder Phase passend auf die jeweiligen Bedürfnisse und Herausforderungen einzugehen. Jede Phase eines Teams bringt unterschiedliche Themen mit sich. Diese stimmig je nach Phase zu lösen, bringt Vertrauen, Kooperation und eine erhöhte Kompetenz mit in das Unternehmen und in das Erreichen der gesetzten Ziele. 

Eine Teamentwicklung unterstützt das Unternehmen dahingehend, dass eine bestmögliche Zusammenarbeit als Grundlage geschaffen wird, indem jedes Teammitglied sich seiner Rollen bewusst ist und die Aufgaben produktiv, effektiv und kooperativ bewältigen und lösen kann.

Dementsprechend verbessert Teamentwicklung nicht nur das Arbeitsklima, die Rollenverteilung, Arbeitsstruktur und Koordination, sondern unterstützt die Teammitglieder auch in der Entfaltung ihrer sozialen Kompetenzen, verstärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl, verbessert die Motivation und erhöht das Verständnis füreinander. Und all das zusammen wirkt auf den gemeinsamen Erfolg des Arbeitsergebnisses ein.

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